Das Märchen vom Salz

Es war einmal …

Vor langer Zeit lebte ein König. Er hatte drei Töchter.

Da er schon sehr betagt war, beschloss er, der klügsten von ihnen sein Königreich zu überlassen. Sieben Tage vor seinem Geburtstag ließ er seine Töchter zu sich kommen und sagte zu ihnen: „Diejenige, die mir das kostbarste Geschenk macht, bekommt mein Königreich.“

Die drei überlegten lange, denn jede von ihnen wollte das Reich des Vaters regieren. Sie überlegten lange, welche Kostbarkeiten ihren Vater erfreuen könnten.

Als der Tag seines Geburtstages gekommen war, schenkte ihm die älteste Tochter kostbaren Schmuck, die mittlere einen teuren Mantel. Der König war erfreut über die wertvollen Geschenke und war sehr gespannt, was er wohl von seiner jüngsten Tochter bekäme.

Als er ihr Geschenk sah, wurde er sehr zornig über ihre Dummheit. Denn sie präsentierte ihm nur ein Schälchen voller Salz.

Der König war sehr enttäuscht und verjagte sie aus seinem Land.

Eines Tage saß er gedankenverloren am Fenster und betrachtete sein Königreich, als sein Botschafter zu ihm kam und berichtete: „Der König des Nachbarreiches hat eine sehr kluge Prinzessin geheiratet, die großen Reichtum über das Land bringt.

Er erklärte: „Sie stellt Salz her, indem sie Wasser aus dem Meer schöpfen lässt. Das Wasser verdunstet durch die Sonne und das Salz bleibt zurück. Viele Kaufleute aus fernen Ländern, die nicht am Meer liegen, reisen an, um das Salz zu kaufen.“

Daraufhin beschloss der König, das Nachbarreich einmal selbst zu besuchen. Bei seiner Ankunft wurde er herzlich empfangen und es wurde ein großes Fest zu seinen Ehren veranstaltet. Als er die Königin erblickte, stellte er fest, dass es seine Tochter war, die er einst fortgejagt hatte. Der König bat sie um Verzeihung und sie feierten ein wunderschönes Versöhnungsfest.

Die Königin war sehr glücklich und überlegte, wie sie ihren Reichtum mit ihrem Vater teilen könne. Ihr kam die Idee, dass alle Kaufleute auch durch sein Land reisen sollten. Die Durchreise hatte der König bisher verboten.

Doch jetzt erblühte auch in seinem Königreich der Handel. Fortan wurden die Straßen, auf denen die Kaufleute durch das Land zogen, Salzstraßen genannt. Um noch mehr Geld mit dem Salzhandel zu verdienen, erhob der König auf die Benutzung der Wege Zölle – und die Leute mussten Steuern für das Salz zahlen.

Dem Salz gab man den Namen „Weißes Gold“, da überall, wo es auftauchte, der Reichtum nicht lange auf sich warten ließ.

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